Was Google+ mit Flaschen zu tun hat

Schon wieder ein neues Social Network? Ja! Diesmal von der Datenkrake Google persönlich. In diesem Artikel möchte ich darstellen, warum ich Google+ äußerst Interessant finde – und warum ich mich meines geistigen Eigentums beklaut fühle!

Damals, vor einem Jahr… wurde das Projekt Diaspora angekündigt. Diaspora sollte ein verteiltes, freies soziales Netzwerk werden. Es war gerade die Zeit, als man hier in Passau glaubte, Facebook würde die Weltherrschaft an sich reißen, Mark Zuckerberg Bundeskanzler und amerikanischer Präsident zugleich werden und wir all unsere Freunde nur noch auf Facebook treffen, während der Firmenchef persönlich mitliest.
Als OpenSource Fanatiker und Verfechter der freien Meinungsäußerung fand man das selbstverständlich gar nicht gut!

Mensa der Uni Passau

Diaspora sollte im Gegensatz zu Facebook dezentral aufgebaut werden. Die Rettung also! Persönlich hatte ich dazu ganz eigene Vorstellungen. Mit einigen Wirtschaftsinformatik-Kommilitonen in der Mensa sitzend, erläuterte ich vom perfekten Social Network am Beispiel von Getränkeflaschen und Gläsern – was sonst hat man in der Mensa schon zum Visualisieren von Ideen parat?

Das Konzept:

  • Jede Flasche steht für eine Gruppe an bekannten (Schulfreunde, Arbeitskollegen, Schachspieler, SocialMedia Experten…)
  • Ein bekannter kann in verschiedenen Gruppen sein
  • Teile ich eine Nachricht, einen Link, ein Bild, ein Video, kann ich entscheiden, in welche Flasche ich sie schmeiße – in eine oder mehrere

Das Konzept löst folgende Probleme:

Für jede Flasche ergibt sich somit ein anderes Bild von mir – die einen kennen mich als Wirtschaftsinformatik Studenten und OpenSource Fanatiker, die anderen als Tocotronic Fan und Konzertgänger. Es würde endlich das Problem lösen, dass ich viele Dinge, die ich gerne teilen würde, gar nicht teile, weil ich bestimmte Kreise damit langweile. Auf der anderen Seite löst es auch das Problem, dass manche Dinge halt nicht für alle Bekannt sein sollen.

Die technische Sicht:

  • Jede Flasche wird auf einem anderen Server gehostet
  • Die Flaschen können untereinander Kommunizieren und sind vollkommen kompatibel
  • Es gibt Anbieter, bei denen man Flaschen erstellen kann, wenn man nicht das technische Know-How für einen Server hat
  • Jeder, der dazu in der Lage ist, kann seine eigene Flasche auf seinem eigenen Server hosten.
  • Alle Flaschen klinken sich ähnlich dem XMPP Netzwerk zusammen

Die technische Sicht löst folgende, noch viel wichtigere Probleme:

Informationen werden von nun an dezentral abgelegt. Niemand hat die Herrschaft über all meine Daten. Ein Unternehmen kann seine eigene Flasche zur internen Kommunikation erstellen. Die Datenhoheit liegt beim Unternehmen. Der User kann aber über eine, zentrale, einheitliche Oberfläche auf alle Flaschen zugreifen.

Soweit mein Konzept – eine der Ideen der Kategorie: „Eigentlich interessant, aber zu aufwändig um sie alleine zu verwirklichen und das Studium ist ja sowieso erstmal wichtiger….“ 😉

Diaspora hat ein paar Features davon umgesetzt, aber fertig wurde das Projekt bis heute nicht. Schade.

Google Circles

Und jetzt kommt Google. Google+ nennen sie das ganze, und ihre Freunde teilen sie in „circles“ ein. Zugegeben, der Name ist durchaus ansprechender als „Flasche“ oder auch „Bottle“.. 🙂

Ich freue mich auf das neue soziale Netzwerk von einem äußerst fähigem Unternehmen. Schön, dass ein paar meiner Ideen umgesetzt werden, auch wenn Sergey Brin und Larry Page wohl nie davon wussten, was damals vor einem Jahr in der Passauer Mensa diskutiert wurde. Alleine hätte ich meine Idee sowieso nicht umsetzen können, und ich bin mir auch sicher, Google hat nicht nur einen kreativen Kopf allein damit beauftragt… 🙂

Schade finde ich, dass bei Google+ die Abhängigkeit von einem Anbieter bestehen bleibt und meine Daten wie immer auf dem Server eines Unternehmens liegen, dem ich vertrauen muss. Naja, zumindest vertraue ich Google wesentlich mehr als Facebook! 😉
[Update]

Ob ich glaube, dass sich Google+ durchsetzt? Im Jahr 2005 bin ich im Alter von 16 „PromilleZone“ beigetreten, mein erstes Soziales Netzwerk zum Freunde haben, zum Chatten und zum Bilder hochladen.
All meine Freunde waren dabei.

Irgendwann 2007 ging es dann relativ schnell zu Lokalisten – Die Funktionen waren einfach besser, dort gab es „neues“ zu sehen.
Ich fand viele „reale“ Freunde dort, die ich noch nicht bei PromilleZone hatte, aber  war das der einzige Grund? Nein. Es brachte neue Funktionen und funktionierte besser als PZ.

Zu studieren begonnen 2008, und schon war man in StudiVZ. Wenige meiner neuen Bekanntschaften waren bei Lokalisten, und überhaupt funktionierte die Webseite besser. Man konnte einfacher navigieren, es war übersichtlicher.

Und dann – ich denke ich bin bei Facebook seit 2009. Die ganze Welt war einfach dabei! Aber das war wiedermal nichts neues. Es gab dort mehr Inhalte. Die Leute waren aktiv, das waren sie bei StudiVZ nicht. Es war schlichtweg interessant!

Ich habe also innerhalb von 6 Jahren meine sozialen Netzwerke öfter gewechselt, obwohl jeweils all meine Freunde in beiden Netzwerken waren. Gründe lagen auch in der Bedienbarkeit, in der Optik und bei den Inhalten. Optisch macht Google+ einen guten Eindruck, und die Inhalte… Die funktionieren wie bei Facebook und werden dann wohl auch kommen. Was braucht es noch für den Erfolg eines Sozialen Netzwerks? Eure Meinungen in die Kommentare! 😉

[/Update]

[author] [author_image timthumb=’on‘]http://biogoo.org/new/wp-content/uploads/2011/05/profil_seite_formell_200px.jpg[/author_image] [author_info]Ulrich Lichtenegger ist Wirtschaftsinformatik-Student an der Uni Passau und beschäftigt sich neben Social-Media noch mit Wissensmanagement, Web Technologien und PowerLab. Sollte jemand seine Idee von einem Sozialen Netzwerk verwirklichen oder mehr über diese und andere Ideen erfahren wollen, freut er sich auf eine Nachricht 😉 [/author_info] [/author]

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